Mit Ihrer Persönlichkeit werden Sie niemals altern

Eigentlich möchte ich keine Familie gründen. Nicht zum aktuellen Zeitpunkt. Und auch sonst nicht. Das bringt nur irgendwelche Verpflichtungen mit sich. Und die bin ich momentan nicht bereit einzugehen. Wenn ich allerdings über meine Zukunft nachdenke, wird mir zugegebenermaßen doch etwas mulmig in der Magengegend. Ich bin nicht gesellschaftsverträglich und ich habe relativ hohe Ansprüche an die Menschen, die um mich herum sind. Die nächsten Monate meines Lebens sind noch ungeklärt, ich weiß nicht, wo ich in einem halben Jahr sein werde, was ich machen werde und ob ich jemanden hab, der auf mich aufpassen kann. Und genauso sieht es nicht nur die nächsten Monate aus, sondern auch die nächsten Jahre. Ich habe keine realen Ziele vor Augen, stelle mir nur immer vor, wie es wäre, wenn dies und das einträfe und warte ab, lebe so in den Tag hinein und erfülle meine Pflichten, die ich zur Zeit habe. Alles plätschert so vor sich hin, ich erwarte nichts, weil ich nicht weiß, was ich erwarten soll oder kann. Ich arbeite auf nichts hin, weil sich meine Vorstellungen doch ständig ändern.

Vielleicht hatte mein Glückskeks vor ein paar Jahren ja Recht. Vielleicht werde ich mit meiner Persönlichkeit wirklich nicht altern, zumindest charakterlich. Das heißt ich bleibe weiterhin auf dem Stand eines Kindes bzw. teilpubertären Jugendlichen, während mein Körper langsam vor sich hin rottet. Ich sollte regelmäßig Sport machen, fällt mir dabei ein.

Die Frage, die mich eben beschäftigt hat, war: Gründen Menschen  nur deshalb Familien und gehen feste Partnerschaften ein, weil sie in ihrem tiefsten Inneren Angst vor der Zukunft haben? Weil sie letzten Endes nicht alleine dastehen wollen?

Ich komme mir  ein wenig vor, wie ein kleines Küken. Ich bin zwar schon flügge, bleib aber trotzdem lieber noch ein wenig im warmen Nest sitzen. Nicht dass ich noch bei meinen Eltern wohne und das ist auch gut so. Trotz allem möchte ich noch nicht hinaus in die große weite Welt. Möchte mir noch keine Gedanken darüber machen, wie ich einmal meine Brötchen verdienen werde. Wenn ich sie denn überhaupt verdienen werde.

Ich habe mich eben gefragt, ob es sinnvoll wäre, einfach so eine Beziehung einzugehen, sich zu binden, zu akzeptieren, was man hat und daran zu arbeiten, statt ständig etwas neues zu haben, sich zu binden und wieder zu trennen, weil es einfach nicht gepasst hat und ich nicht in der Lage dazu bin, an mir zu arbeiten und es allen bzw. in dem Fall meinem Partner recht zu machen. Wäre es nicht bequemer, ich würde mir nun jemanden suchen, ihn gegebenenfalls sogar heiraten, ein oder zwei Kinder zu bekommen, ein Haus mit Garten zu kaufen und mich um den Haushalt zu kümmern? Seltsamer Weise finde ich irgendwie Gefallen an diesem Gedanken. Es wäre bequem, es gäbe keine großartigen Probleme und wenn ich mich nicht allzu dumm verhalte, kann ich alles haben, was ich möchte. Aber möchte ich das überhaupt?

Man kann nur zielorientiert arbeiten, wenn man auch ein Ziel hat. Das ist bei mir nunmal eine Fehlanzeige. Ich habe keine Ziele für mich was meine Zukunft betrifft. Ich weiß nicht, in welche ökologische Nische ich einmal kriechen werde. Ich warte ab und lasse alles vor mich hin plätschern. Die Nischen kommen schon von alleine und in irgendeine wird mich mein Schicksal schon spülen. Und wenn ich nicht in dieser bleib, nehm ich eben die nächste.

Ist diese Vorstellung über meine Nicht-Zukunft so abwegig?

So long.

25.5.10 14:24

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