Der emotionale Lotuseffekt

Es gibt heutzutage immer mehr tolle Erfindungen und Entdeckungen. Nicht nur aus technischen Bereichen. Einige davon sind sogar ernsthaft nützlich. Zum Beispiel kann man sich Spray mit Lotuseffekt kaufen, um sein Auto oder seine Fensterscheiben, ja sogar seine Dusche damit anzusprühen. Nur damit der ganze Dreck mit dem nächsten Wassertropfen davon gespült wird. Alles sauber, alles rein.

Könnte es sowas nicht auch in emotionaler Form geben? Eine Art Spray, das lotisch auf gewisse Emotionen wirkt? Wäre schon ne tolle Sache. Einmal sprühen, ab in die nervenaufreibende Situation und danach duschen und alles ist gut. Das dann mit kurzfristigem und dauerhaftem Effekt. Hält bis zu 6 Monate. Kaufen Sie jetzt das neue Emotus. Mit verbesserter Formel.

Ich habe gelesen, dass man Glückshormone, besonders diejenigen, die dieses ekelhafte Verliebtheitsgefühl hervor rufen, mit Antidepressiva blocken kann. Wenn dieser Mist nicht so große Nebenwirkungen hätte, hätte ich glaube ich schon zwei Packungen davon in meinem Schrank stehen. Nicht, dass ich es aktuell nötig habe. Es wäre aber durchaus komfortabel für eventuell kommende Situationen.

Einerseits sind Emotionen natürlich etwas tolles. Man hat Schmetterlinge im Bauch (und das hoffentlich ganz ohne sich vorher Raupen in den Po gesteckt zu haben), möchte den ganzen Tag nur vor sich hingrinsen wie irgendein hirnloser Drogenjunky nach einem Schuss und denkt, man könnte die gesamte Welt umarmen. Und leider übersieht man dabei nur zu oft die dunkle Seite der Macht. Die ohne Kekse. Die, die sich langsam aber sicher einschleicht. Und einen irgendwann in den vielleicht doch Raupenpopo beißt. Und dann sitzt man dran, wundert sich, wo die Schmetterlinge denn hingeflogen sind. Laut Wiki beträgt das Durchschnittsalter von Schmetterlingen 2-3 Wochen. Das ist ja echt nicht grad viel. Aber im Grunde ist es nunmal so, dass die Schmetterlinge irgendwann einfach sterben und man dann alleine auf seinem Po sitzen bleibt. Ohne Schmetterlinge. Und ohne Junkygrinsen. Man schaut der Realität ins Auge. Die steht einem schon gegenüber, sabbernd, mit gewetzten Messern und einem riesigen Latz um den Hals gebunden. Sie wartet nur darauf, dass man einen kleinen Fehler macht, um sich dann auf das üppige Festmahl zu stürzen.

Prinzipiell lässt sich sagen: wenn man glücklich ist, sollte man nicht darüber nachdenken, sondern es hinnehmen und sich darüber freuen. Man sollte nicht überlegen, wie lange das Ganze wohl noch anhalten wird, wie lange es noch dauert, bis die letzten Schmetterlinge gestorben sind. Sondern sich über die bunten, lustig flatternden Insekten freuen, die einem so wirr im Bauch rumfliegen. Man sollte jeden Tag genießen, den man noch so verbringen kann. Bevor die dunkle Macht kommt, dieses sabbernde Monster namens Realität.

Und falls man es nicht schafft, seine innere Fensterscheibe streifenfrei zu putzen, sollte man doch mal über das Lotusspray nachdenken. Oder sich eine Alternative suchen.

Übrigens: die Lebensdauer von Faltern variiert sehr stark. Je nachdem, um welche Art es sich handelt. Ist man also wenig anspruchsvoll, muss man damit klar kommen, dass die kleinen Biester nach ein paar Tagen oder Wochen schon wieder abgekratzt sind. Wenn man jedoch sorgfältiger auswählt, wählerischer ist bei der Art, hat man gute Chancen, mehrere Monate was davon zu haben. Klingt logisch, oder?

So long.

PS: Danke an R. und A.

9.7.10 00:34

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